Großer Dank an ehrenamtlich Tätige

AWO-Betreuungsverein Bernkastel-Wittlich e.V. besteht seit 20 Jahren | 17/9/2012

AWO-Betreuungsverein Bernkastel-Wittlich e.V. besteht seit 20 Jahren

Wurden für ihr Engagement im Ehrenamt von Mitarbeiterin Hortense Walter-Hoppe (3. von links) ausgezeichnet: Die ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuer Erika Schneider, Therese Chrzanowski-Vogel, Annette Neukirch, Helmut Pesch und Franz Berners (v.l.n.r).Aus Anlass des 20jährigen Bestehens des Vereins und 20 Jahre Betreuungsrecht in Deutschland hatte der AWO-Betreuungsverein Bernkastel-Wittlich e.V. Mitglieder, Ehrenamtliche und Vertreter aus Politik und Gesellschaft zu einer Feierstunde eingeladen. Der Vorsitzende des Vereins, Horst Hubert, begrüßte unter anderem den 2. Kreisbeigeordneten Fritz Kohl, der in Vertretung von Landrat Gregor Eibes gekommen war. In seinem Grußwort hob Kohl die unverzichtbare Arbeit des AWO-Betreuungsvereins für die vielen Ehrenamtlichen im Betreuungswesen sowie in der Beratung und Information bei Vorsorgevollmachten, Betreuungsverfügungen und Patientenverfügungen hervor. Als Vertreter der Örtlichen Betreuungsbehörde dankte er für die gute Zusammenarbeit mit der Kreisverwaltung und bezeichnete sowohl die Haupt-, als auch die Ehrenamtlichen als „Vorbilder an Verantwortung für andere“.

Auf das „Betreuungsrecht in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“ ging im Festvortrag Dr. Holger Ließfeld ein. Dr. Ließfeld, der seit 1994 als Mitarbeiter des AWO-Betreuungsvereins in Altenkirchen selbst als Betreuer tätig ist, legte dar, dass es Vorläufer der Vormundschaft bereits in der Antike gegeben habe. So waren die ersten Formen die der Fürsorge für Frauen, die deren Entrechtung zur Folge hatte. Zu Zeiten der germanischen Stammesrechte kam es bei der Feststellung der Geschäftsfähigkeit darauf an, ob man sich richtig oder falsch herum aufs Pferd setzte. Im Hochmittelalter wurden im „Sachsenspiegel“ Gewohnheitsrechte zu Papier gebracht, die insgesamt 257 Paragrafen zum Vormundschaftsrecht enthielten. Erst zum 01.01.1900, als das Bürgerliche Gesetzbuch in Kraft trat, kam es erstmals zur Trennung zwischen Kirche und Recht. Das dunkelste Kapitel des Vormundschaftsrechts wurde in der Nazizeit geschrieben, als es zu 350.000 Zwangssterilisationen kam. In der Nachkriegszeit bis zur Einführung des Betreuungsrechts 1992 gab es große Probleme mit der Gebrechlichkeitspflegschaft, mit der Menschen einen Pfleger erhielten, ohne jedoch jemals gutachterlich überprüft worden zu sein, ob bei ihnen überhaupt ein rechtlicher Hilfebedarf vorliegt. Mit der „Jahrhundertreform Betreuungsrecht“ sei es aber erstmals gelungen, den Bedarf an rechtlicher Vertretung am Einzelfall auszurichten, und es wurde das Wohl des Betreuten zur Handlungsmaxime eines jeden Betreuers erhoben. Dieses neue Recht hatte Vorbildcharakter und wurde auch Grundlage ähnlicher Gesetze in Japan und Kanada. Nach 20 Jahren Betreuungsrecht könnten aber auch einige kritische Punkte festgehalten werden: So sei die Wahl des Begriffs „Betreuer“ nicht besonders klug gewesen, da dieser oftmals mit „Freizeit-Betreuer“ oder „Heim-Betreuer“ verwechselt werde und oft nicht klar zu sein scheint, dass der Betreuer nur für rechtliche Dinge, nicht jedoch fürs Einkaufen, Putzen oder ähnliche Dinge zuständig ist. Außerdem wurde das BGB im Bereich der Regelungen zur Geschäftsfähigkeit noch nicht angepasst. Bedarf an Betreuern sowie Betreuungsvereinen gebe es jedoch weiterhin: Gab es im Jahr 1986 deutschlandweit ca. 343.000 Vormundschaften und Pflegschaften, betrug die Zahl der Betreuungen im Jahr 2012 1,4 Millionen. Aus demografischen Gründen wie Demenz einerseits und gestiegene Lebenserwartung andererseits, werde diese Zahl weiterhin ansteigen, so Dr. Ließfeld. Er appellierte, dass die verschiedenen beteiligten Professionen – Medizin, Jurisprudenz und soziale Arbeit – gut zusammenarbeiten müssten, um diese Herausforderung gemeinsam meistern zu können.

Hortense Walter-Hoppe, hauptamtliche Mitarbeiterin des AWO-Betreuungsverein, nahm im Anschluss die Auszeichnung der ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuer vor. Stellvertretend für viele dankte sie dafür, dass sie dazu bereit waren, mit Unterstützung durch den AWO-Betreuungsverein diese schwierige Aufgabe zu übernehmen. Sie würdigte dabei ausdrücklich, dass die Ehrenamtlichen schwierige Entscheidungen in ihrer Funktion zu treffen hätten, die dabei auch mit viel Bürokratie verbunden sei. Dennoch sei diese Arbeit eine wichtige Gesellschaftsaufgabe, für die sie im Namen des Vereins herzlichsten Dank aussprach. Die Geehrten erhielten eine Dankesurkunde und ein Handbuch mit nützlichen Tipps für ihre Arbeit.

In der Vereinschronik legte Marcus Heintel, ebenfalls hauptamtlicher Mitarbeiter, den Werdegang des Vereins dar. Der AWO-Betreuungsverein wurde am 17.09.1992 im Rahmen einer Vorstandssitzung des AWO-Kreisverbandes gegründet. Ab August 1993 wurde erstmals ein Mitarbeiter eingestellt, sodass im Herbst gleichen Jahres erstmals Betreuungen übernommen werden konnten. Im August 1997 wechselte der Sitz des Vereins von Traben-Trarbach nach Morbach, zunächst in die ehemalige Landwirtschaftsschule, dann seit September 2000 im AWO-Haus in der Bahnhofstraße.

Drei Viertel des „Vereinsweges“ hat Annette Prinz hinter sich. Die Mitarbeiterin wurde vom Vorsitzenden Horst Hubert für 15jährige Betriebszugehörigkeit ausgezeichnet. Außerdem ehrte Hubert die Gründungsmitglieder Josef Scholl und Alexander Steffen aus Veldenz sowie Helmut Pesch aus Bengel für ihre langjährige Tätigkeit im Vorstand des Vereins.

Zu ihrer eigenen Überraschung wurden die derzeit amtieren Vorstandsmitglieder und Revisoren zum Abschluss der Jubiläumsfeier von den hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geehrt.

Für die musikalische Umrahmung der Feierstunde sorgte das Quartett „Sine nomine“, Meisterchor im Chorverband Rheinland-Pfalz, mit erheiternden und erfrischenden Einlagen.